Gemeinsam stark werden – Das Lebenskompetenzprogramm für die Volksschule

„Gemeinsam stark werden“ ist ein Unterrichtsprogramm zur Förderung der Lebenskompetenzen von Kindern im Volksschulalter (1. – 4. Schulstufe). Das Ziel des Programms ist die Schaffung guter Voraussetzungen für ein gesundes, selbstbestimmtes und erfülltes Leben.

Als universelles Präventionsprogramm orientiert sich „Gemeinsam stark werden“ am Lebenskompetenzansatz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und leistet einen Beitrag zur Sucht-, Gewalt- und Suizidprävention, sowie zur Prävention psychischer Störungen.

Keywords:

Schulische Gesundheitsförderung, Lebenskompetenz, Existenzielle Pädagogik, Persönlichkeitsförderung, Prävention

Ausgangssituation

  • Bei österreichischen Kindern und Jugendlichen zeigt sich eine Zunahme psychischer Störungen. So liegt die Prävalenzrate psychischer Störungen in der Altersgruppe von 10 bis 18 Jahren bei 18,9%: Demnach ist fast jede/r fünfte Jugendliche davon betroffen (Phillipp, Zeiler, Waldher et al. 2015).
  • Angststörungen (z.B. Leistungsangst, Versagensangst), ADHS, aggressiv-dissoziale Störungen, depressive Störungen und  autoaggressives Verhalten zählen zu den häufigsten Störungen von Kindern- und Jugendlichen (HBSC Factsheet 4/09, Bundesministerium für Gesundheit)

Lösungsansatz, unterstützende wissenschaftliche Studien

  • Stärkste Schutzfaktoren für stressbedingte Gesundheitsbelastungen bei LehrerInnen und bei SchülerInnen stellen tragfähige Beziehungen und soziale Unterstützung dar (Werner & Smith, 2001).
  • Eine tragfähige Lehrer-Schüler-Beziehung bringt einen größeren Langzeiteffekt auf prosoziales Verhalten von SchülerInnen mit sich als gängige Präventionsprogramme (Obsuth et al, 2016).
  • Eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung ist ein maßgeblicher Einflussfaktor auf den Lernerfolg von SchülerInnen (Hattie, 2014)
  • In der Sucht-, Gewalt und Suizidprävention, sowie bei bei der Prävention psychischer Störungen wird zunehmend auf die Stärkung spezifischer Lebenskompetenzen gesetzt (Reese & Silbereisen, 2001)
  • ein gutes Schul- und Klassenklima trägt nicht nur zu einem gelungenen und qualitativ hochwertigen Unterricht bei, es fördert neben sozialen Kompetenzen und Lernleistungen vor allem die Gesundheit von SchülerInnen und Lehrpersonen (Ramelow, Unterweger, Gugglberger & Felder-Puig, 2013)

Projektbeschreibung

Als manualisiertes Lebenskompetenzprogramm enthält „Gemeinsam stark werden“ 46 Lehreinheiten mit über 200 Übungen zur Förderung der folgenden personalen und sozialen Kompetenzen:

  • Selbstwahrnehmung und Einfühlungsvermögen
  • Selbstfürsorge, Entspannungs- und Genussfähigkeit
  • Umgang mit Stress und herausfordernden Emotionen
  • Entscheidungs- und Problemlösefähigkeit
  • Kreatives und kritisches Denken
  • Kommunikations- und Bezihungsfähigkeit
  • Selbstkenntnis und Selbstbehauptung
  • Umgang mit Unterschiedlichkeit
  • Fähigkeit zur Werteverwirklichung
  • Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme

Von der Unterstützung und Förderung in dieses Bereichen profitiert nicht nur das einzelne Kind, sondern die Klasse als ganzes. So trägt die Programmumsetzung auch zu einer Verbesserung des Klassenklimas bei.

Um Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung nachhaltig zu stärken, setzt „Gemeinsam stark werden“ gleichzeitig auf mehreren Ebenen an:

  • Unterrichtsgestaltung: Bereitstellung von Unterichtsmaterialien
  • Beziehungsgestaltung: Hinweise für eine persönlichkeitsfördernde LehrerInnen-SchülerInnen-Beziehung
  • Einbindung der Eltern bzw. des sozialen Umfelds

Die Effekte

Direkte Ergebnisse (Output): Verbesserung  der individuellen Lebenskompetenzen der SchülerInnen und des Klassenklimas

Mittelfristige Auswirkungen (Outcome):  Prävention  von Problemverhalten und negativen Persönlichkeitsentwicklungen bei Kindern (z.B: Sucht, Aggression, Angst, Depression, Ideologie)

Langfristige Auswirkungen (Impact): Reduktion Behandlungsbedürftiger Gesundheitsstörungen bei  SchülerInnen und Schülern

 

Mag. Daniel Scheyer

Ansprechpartner

Mag. Daniel Scheyer

Literaturverzeichnis

  • Antonovsky, A. 1997: Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Tübingen: Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie.

  • Bauer, J. et al (2007). Working conditions, adverse events, and mental health problems in a sample of 949 German teachers. International Archives of Enviromental and Occupational Health, 80, S.442-449

  • Hattie, J. (2014). Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen: Überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von "Visible Learning for Teachers". Schneider Verlag: Hohengehren, Baltmannsweiler.

  • Hofmann, F. & Felder-Puig, R. (2013). HBSC Factsheet. Gesundheitszustand und –verhalten österreichischer Lehrkräfte: Ergebnisse der Lehrer/innen-Gesundheitsbefragung 2010. Wien: Bundesministerium für Gesundheit.

  • Obsuth I. et al (2016). A Non-bipartite Propensity Score Analysis oft he Effects of Teacher-Student Relationships on Adolescent Problem an Prosocial Behavior. Journal of Youth and Adolescence (Juni 2016).

  • Philipp, J. & Zeiler, M. & Waldherr, K. & Nitsch, M. & Dür, W. & Karwautz, A. & Wagner, G. (2015). The Mental Health in Austrian Teenagers (MHAT)-Study: preliminary results from a pilot study. Neuropsychiatrie 4, 14.

  • Ramelow, D., Unterweger, K., Gugglberger, L., Felder-Puig, R. (2013). Die Bedeutung des Schulklimas für die Gesundheit von Schüler/inne/n und Lehrer/inne/n. LBIHPR Forschungsbericht.

  • Reese, A. &Silbereisen, R. K. (2001): Allgemeine versus spezifische Primärprävention von jugendlichem Risikoverhalten. In: Freund, T. & Lindner, W. (Hrsg): Prävention. Verlag Leske und Budrich, Opladen, 139 – 162.

  • Werner, E. & Smith, R. (2001). Journeys from Childhood to Midlife. Risk, Resilience and Recovery. New York: Cornell. .
    HBSC Factsheet 4/09, Bundesministerium für Gesundheit

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